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Slowakische Botschaft in Washington
Michal Bogár, Dušan Fischer, Lubomír Králik, Peter Lizoo und Ludovít Urban
Foto: BKU

Moderne slowakische Architektur

Eine Ausstellung des Verbandes Slowakischer Architekten Bratislava
Konzeption: Prof. Štefan Šlachta, Dr. Peter Mikloš
Kurator: Prof. Ján Bahna

Eröffnung:
Donnerstag, 3. Dezember 2015 um 19 Uhr in der Galerie des Architekturmuseums
(Straße des 17. Juni 152, Untergeschoss Flachbau)

Es sprechen:
Dr. Hans-Dieter Nägelke, Leiter des Architekturmuseums
S. E. Dr. Peter Lizák, Botschafter der Slowakischen Republik

Einführung:
Ing. Arch. Juraj Hermann, Präsident des Verbandes slowakischer Architekten

Musikalische Umrahmung:
Milan Pala, Violine

Ausstellungsdauer:
7.12.2015–28.1.2016
Mo–Do 12–16 Uhr und nach Vereinbarung
(24.12.–3.1. geschlossen)

SLOWAKISCHE ARCHITEKTUR NACH ZWANZIG JAHREN
Die slowakische Architektur hat sich im Rahmen der mitteleuropäischen, in der österreichisch-ungarischen Monarchie, später in der Tschechoslowakei und seit 1993 in der selbständigen Slowakischen Republik formiert und entwickelt. Neben den traditionellen Kulturzentren Wien und Budapest war es vor allem Prag, das die Orientierung unserer Kultur und der slowakischen Architektur beeinflusst hat. Die geografische Lage der Slowakei an der Kreuzung der Kultur- und Geschäftsstraßen führte zur Offenheit für fremde und neue Impulse.

Die Slowakei hat nach 1990 große Änderungen durchgemacht. Sie befand sich in der Mitte Europas. Die Stadt Bratislava, die an den Grenzen direkt am »Eisernen Vorhang« lag, wurde zur Hauptstadt eines neuen Staates. Sie musste alles, was eine Hauptstadt ausmacht, neu aufbauen. Als »kleine Großstadt« wurde sie zum Bestandteil der Agglomeration des Donauraums. Das junge Volk, die neue Gesellschaft und Architektur waren dabei gewissermaßen vom Vorteil. In vielen Fällen konnten wir fast vom Nullpunkt beginnen und die neuesten aktuellen Ideen entwickeln. Unsere Architektur war eines Neustarts fähig und konnte auf Außenimpulse reagieren. Rückblickend können wir feststellen, dass hier Subjektivität und Einzigartigkeit vermisst werden.


Náqrodná banka Slovenska
Atelier BKPŠ
© P. Safko

In den Jahren nach dem Übergang zur Marktwirtschaft kam auch zu uns das Bausystem mit Mietgebäuden. Es handelte sich nicht nur um staatliche Investitionen, dazu kamen auch private Investitionen und Auslandskapital. Markante Objekte, die in den Jahren der Entwicklung des Bankwesens entstanden sind, waren die Zentrale der größten slowakischen Bank - Všeobecná úverová banka in Bratislava (1997), an die die Nationalbank Náqrodná banka Slovenska in Bratislava (2002) angeknüpft hat. In der Architektur der Staatsbanken reflektierte sich das Streben danach, dominante Bauten, die auf Würde und Seriosität der Institutionen hinweisen, zu schaffen.

Auch in Bratislava wird über das urbane Konzept der Stadt in Beziehung zu Hochhäusern diskutiert. Am Ufer der Donau im östlichen Teil der Stadt werden Hochhäuser und Verwaltungskomplexe realisiert. Gerade in diesem Stadtteil befinden sich auch Projekte von ausländischen Architekten - das Panorama City mit Appartements (Teil des Konzepts von R. Boffil) und das Geschäfts- und Gesellschaftszentrum Eurovea. Es wird auch die Realisierung des Komplexes Culenova von Zaha Hadid vorbereitet. An der Peripherie der Stadt breiten sich große Komplexe der Geschäftszentren Avion und Bory aus. In den neuen Stadtteilen von Bratislava wurden mehrere Verwaltungszentren wie Digital Park oder Reding II. mit einer markanten und kultivierten Architektur realisiert.
Neue Geschäftszentren brachten die Entvölkerung der Altstadt mit sich. Im Zentrum von Bratislava finden wir kostbare Denkmäler der Zwischenkriegsmoderne. Einige, wie die Sparkasse Slovenská sporitelna von J. Tvarozek aus dem Jahr 1930 mit der ersten vorgehängten Glasfassade in Mitteleuropa, wurden rekonstruiert. Mehrere davon sind immer noch gefährdet. Die Stadt Kosice in der Ostslowakei entwickelt sich als ein zweites architektonisches Zentrum. Im Rahmen des Projekts Kulturhauptstadt Europas ist es gelungen, aus den alten Kasernen einen attraktiven Kulturpark zu schaffen.


Wohnanlage Rozadol
Peter Moravcík, Juraj Šujan
© P. Melus

Die heutigen Wohnkomplexe werden auf den verfügbaren Plätzen der Innenstadt realisiert. Es entstanden Komplexe Rozadol, Nový háj und Svornosf, wo gute Architektur ein Bestandteil der Wohnumgebung wurde. In den Villenvierteln finden wir interessante Durchführungen moderner Familienhäuser und zahlreiche Experimente. Ein Handicap für die slowakische Architektur ist, dass zu wenig in die Kultur und das Bildungswesen öffentlich investiert wird. Es gibt nicht viele öffentliche Architekturwettbewerbe. Es sind trotzdem ein paar gute Bauten der sakralen Architektur, private Krankenhäuser, Stadien und Wellnesszentren entstanden. Aktuell und akut sind momentan die Rekonstruktion des Zentrums von Bratislava, neue Brücken und der Ausbau des Burgbergs.
Nach dem Beitritt in die EU müssen wir unsere Architektur mit der Architektur anderer europäischen Länder, mit ihren Normen und Themen vergleichen. Für die slowakische Architektur sind die Widerspiegelung der traditionellen Werte und der Botschaft der Moderne, die mit der lokalen Umgebung sowie mit der Anwendung des aktuellen Welteinflusses fest verbunden sind, charakteristisch. Die Slowakei ist kein Land der Extreme oder Exhibitionen. Man kann eher von dem Rationalismus und der Bescheidenheit des Ausdrucks sprechen. Bei der Einschätzung der letzten zwei Jahrzehnte kann man bereits einen deutlichen Fortschritt in der Aktualität ihrer Ideen, bei der Verknüpfung mit der internationalen Szene und in der Qualität der Realisierungen feststellen. So, wie das gesamte kulturelle Niveau der Gesellschaft wächst, so wächst auch unsere Architektur als Zeuge dieser Zeit.
JAN M. BAHNA