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Licht-Bild

Martin Punitzer
Komische Oper, Berlin. Umbau (1929)

von Nina Kuntz

Inv. Nr. F 5920
Martin Punitzer / Max Krajewsky
Komische Oper, Berlin. Umbau
Deckenansicht
Foto: Foto auf Karton
23,5 x 28,9 cm

In den 1920er Jahren begann der Siegeszug der großen Lichtspielhäuser, die nun mehr als die klassischen Theatersparten dem Zeitgeist und Lebensgefühl entsprachen. In Berlin stagnierte der Theaterbau, wohl aber wurden einige Bühnen modernisiert. So erhielt das 1904–1905 von Arthur Biberfeld (1874–1959) in Mitte errichtete Gebäude der Alten Komischen Oper 1929 eine technische und ästhetische Erneuerung durch Martin Punitzer – im selben Jahr, in dem der als Jude später in die Emigration gezwungene Architekt das als ein Hauptwerk der Neuen Sachlichkeit in Berlin geltende Großkino »Roxy-Palast« fertig stellte.

Inv. Nr. F 5919
Martin Punitzer / Max Krajewsky
Komische Oper, Berlin. Umbau
Foyer
Foto: Foto auf Karton
21,1 x 29,4 cm

Die Erdgeschossfassade der Alten Komischen Oper nach der Friedrichstraße wurde durch weiße Opalglasleuchtkästen nacht- und werbewirksam umgestaltet, Foyer, Zuschauerraum und Bühne vollständig von Stuck und Ornament befreit. Helle, glatte Flächen und elegante Linien, hervorgehoben durch den gezielten Einsatz von Licht, ließen das Rangtheater als ein vom Rhythmus der Formen dynamisiertes abstraktes Raumkunstwerk erscheinen.

Inv. Nr. F 5912
Martin Punitzer / Max Krajewsky
Komische Oper, Berlin. Umbau
Bühne und Ränge vor dem Umbau
Foto: Foto auf Karton
29,5 x 23,5 cm

In der hier gezeigten Deckenansicht übersetzt der Fotograf Krajewsky die progressive Radikalität der Formensprache Punitzers in das zweidimensionale Medium, steigert dabei den Abstraktionsgrad der architektonischen Linienführung bis ins beinahe Graphische. Ungewöhnliche Perspektiven wurden von der Architekturfotografie der Zwanziger Jahre nicht zuletzt deshalb bevorzugt, um der Radikalität des Neuen Bauens durch nicht minder radikales Neues Sehen gerecht zu werden.


Quellen / Literatur:

Vgl. Neumann (1997), Steiner (2010) und Warhaftig (2005). Der Nachlass Punitzers wurde 1990 angekauft.