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Grenzgänger

Carl von Diebitsch
Villa an der Schubraallee, Kairo. Umbau (1863-1864)

von Dieter Nägelke

Inv. Nr. 41567
Carl von Diebitsch
Villa an der Schubraallee, Kairo. Umbau
Vorentwurf Variante, Aufriss mit Brunnen
Handzeichnung: Tusche und Bleistift aquarelliert auf Karton
50,1 x 64,3 cm (Texturscan)

Unter allen Schülern der Berliner Bauakademie war Carl von Diebitsch die schillerndste Erscheinung. Finanziell unabhängig, unternahm er nach dem Examen auf Anregung seines Lehrers Wilhelm Stier ab 1844 eine mehrjährige Reise nach Italien und Spanien, die ihn zu einer intensiven Auseinandersetzung mit orientalischer Baukunst führte – allein die Alhambra soll er über ein halbes Jahr lang mehrere Stunden täglich studiert haben. Das Gesehene faszinierte ihn so sehr, dass es auch seine Entwürfe vollständig bestimmte. Zurück in Berlin, war ihm das ›Maurische‹ längst keine Sonderform mehr, sondern ein universaler Zukunftsstil, den er vom Möbel bis zu Entwürfen für den Berliner Dom für alle Aufgaben anwenden wollte.

Inv. Nr. 41509
Carl von Diebitsch
Alhambra, Granada
Blick vom Umgang auf den Löwenbrunnen
Handzeichnung: Bleistift, Öl auf Karton
41,3 x 32,4 cm (Texturscan)

Durchsetzen konnte er sich damit freilich nicht– wenn er Aufträge erhielt, dann meist nur solche, die wie für den Neuruppiner Tempelgarten oder das Türkische Bad im Dresdner Schloss Albrechtsberg eben jenen Sonderstatus von exotischen Klein- und Innenarchitekturen genossen, den er eigentlich überwinden wollte. Erfolgreich wurde Diebitsch schließlich im Orient, nachdem er auf der Londoner Weltausstellung 1862 seine Ideen industriell vorgefertigter orientalisierender Schmuckelemente einem internationalen Publikum präsentiert hatte. Mit der seltsam anmutenden Idee der Nutzung solcher in Deutschland produzierten Fertigteile für den arabischen Markt kam er nach Ägypten – und reüssierte dort bis zu seinem frühen Tod 1869 zwar nicht als Unternehmer, doch endlich als Architekt auch größerer Aufgaben wie Villen und Paläste, in denen er arabisches Ornament, europäische Bautradition und Berliner Schule eigenwillig verband.

Inv. Nr. SW-A 1853-06
Carl von Diebitsch
Börse, Berlin. Schinkelwettbewerb 1853
Perspektivische Innenansicht des Börsensaals
Handzeichnung: Bleistift aquarelliert auf Karton
57,3 x 54 cm


Quellen / Literatur:

Vgl. Senn (1990), Pflugradt-Abdel Aziz (2003) und Nägelke (2017). Die heutige Diebitsch-Sammlung des Museums konnte 1988 und 1997 erworben werden.

Mehr dazu im Architekturmuseum:

https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=51&SID=15844601239594

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