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Protestantische Pracht

August Orth
Dankeskirche am Zoologischen Garten, Berlin-Charlottenburg (1879)

von Kristiane Kochendörffer

Inv. Nr. 14162
August Orth
Dankeskirche am Zoologischen Garten, Berlin-Charlottenburg
Längsschnitt durchs Schiff
Handzeichnung: Tusche, Bleistift aquarelliert, gold gehöht auf Karton
65,6 x 94,6 cm (Texturscan)

Anlass für das Projekt einer Dankeskirche in Charlottenburg gab im Jahr 1878 die »glückliche Errettung« Kaiser Wilhelm I. aus zwei in kurzer Folge auf ihn verübten Attentaten. Ein Initiatoren-Komitee organisierte Spendenaufrufe an die Berliner Bevölkerung und lobte einen Wettbewerb aus, den 1882 August Orth, Vorsitzender der Vereinigung Berliner Architekten, mit einem Entwurf für eine Dankeskirche am Zoologischen Garten gewann. Für die dann am Weddingplatz erfolgte Ausführung musste der Architekt und Städtebauer allerdings den ursprünglich großzügiger gedachten Sakralbau mit Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden Mittel deutlich reduzieren.

Inv. Nr. 14163
August Orth
Dankeskirche am Zoologischen Garten, Berlin-Charlottenburg
Perspektivische Ansicht
Handzeichnung: Tusche, Bleistift aquarelliert auf Karton
97,1 x 66,8 cm (Texturscan)

Entwurf und ausgeführter Bau zeigen die von Orth bevorzugte Melange eines romanisch-gotischen Formenvokabulars mit rundbogigen Maßwerkfenstern, gotischem Strebewerk, steinernem Turmhelm und Bündelpfeilern im Inneren. Die legitimistisch motivierte Bevorzugung der Spätromanik durch die Hohenzollern war dem Architekten durchaus gegenwärtig, doch hatten bei seinen zahlreichen Kirchenentwürfen technisch-funktionale Aspekte, aber auch die raumakustische Weiterentwicklung größeres Gewicht als rein stilistische Überlegungen.

Inv. Nr. 14089
August Orth
Dankeskirche, Berlin-Wedding
Querschnitt, Längsschnitt
Handzeichnung: Bleistift aquarelliert auf Papier, gold gehöht
49 x 55,2 cm

Im Grundriss der 1171 Sitzplätze fassenden Kirche durchdrangen sich Kreuzform und ein Zentralraum mit Sterngewölbe, wodurch eine möglichst günstige Wirkung des nicht sehr großen Innenraums erreicht werden sollte. Durch den Fortfall eines geplanten Vierungsturms trat nach außen lediglich der Langhauscharakter in Erscheinung.

Der Bau am Weddingplatz wurde 1944 zerstört. 1970–1972 entstand dort der Nachfolgebau von Fritz Bornemann.


Quellen / Literatur:

Zu Orth und seinen Kirchenbauten s. Hahn (1954) und Herden (1988). Die ursprünglich 1800 Zeichnungen Orths wurden dem Museum 1904/1905 von dessen Bruder geschenkt.

Mehr dazu im Architekturmuseum:

https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=51&SID=15845490587865

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