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Eiserner Vorhang

Johann Eduard Jacobsthal
Bühnenvorhang für das Schauspielhaus Berlin (1889)

von Franziska Schilling

Inv. Nr. 8258
Johann Eduard Jacobsthal
Bühnenvorhang für das Schauspielhaus Berlin
Ansicht
Handzeichnung: Tusche aquarelliert auf Karton
60,5 x 74,2 cm (Texturscan)

Offenes Feuer in dicht gefüllten Räumen: Kehrseite des Theaterbooms im 19. Jahrhundert waren verheerende Brände, die wie 1881 in Wien viele hunderte Menschenleben forderten. Um ähnlichen Katastrophen vorzubeugen, wurden deshalb 1889 in Preußen spezielle Brandschutzregeln für Theater erlassen. Sie galten selbstverständlich auch und besonders für Karl Friedrich Schinkels berühmtes Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, das ab 1818 das im Jahr zuvor (durch Brand!) zerstörte Nationaltheater Carl Gotthard Langhans‘ ersetzt hatte und seitdem als wichtigster deutscher Theaterbau galt.

Inv. Nr. 15417
Karl Friedrich Schinkel / Wolff
Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt, Berlin
Bühnenhaus: Schnürboden, Gardinenbewegung, Schnitt und Details
Handzeichnung: Tusche, Bleistift aquarelliert auf Papier
107,5 x 71,3 cm (Texturscan)

Nach Planungen Reinhold Persius‘ wurde 1888–1889 vor allem das Bühnenhaus umgebaut, dessen hölzerne Teile in Dachstuhl und Bühnenmaschinerie durch feuersichere Konstruktionen ersetzt wurden. Noch wichtiger aber war der nun eingebaute eiserne Vorhang, mit dem das Bühnenhaus gegen den Zuschauerraum abgeschottet werden konnte. Er wurde von Eduard Jacobsthal entworfen, der als Architekt und Professor für Ornamentik die hohe Kunst der Innendekoration wie kaum ein anderer beherrschte. Anders als Schinkel, der mit seinem Proszenium einen illusionistischen Blick auf den Gendarmenmarkt öffnete, gestaltete Jacobsthal die Bemalung der eisernen Trennwand als trompe-l’œil eines mehrschichtigen, textilen Vorhangs.

Inv. Nr. SAE 1858,014
Karl Friedrich Schinkel
Schauspielhaus, Berlin
Perspektivische Ansicht Bühne (aus: Sammlung Architektonischer Entwürfe, Berlin 1858)
Druck: Stich auf Papier
41,9 x 53,3 cm (Texturscan)

Im gekonnten Spiel mit den verschiedenen Raumschichten schuf er eine perfekte, dem Kerzendunst der Bühnenwelt entsprechende Illusion, um sich zugleich im gestalterischen Niveau des Ornaments als ernsthafter und dem Meister würdiger Nachfolger zu beweisen.


Quellen / Literatur:

Vgl. ZdB (1889) und Börsch-Supan (1977). Die Zeichnungen kamen unter Ernst Heinrich als Schenkung in die Sammlung.

Mehr dazu im Architekturmuseum:

https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=51&SID=15846340306288&done=100

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