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Straßengesicht

Carl Heinrich Eduard Knoblauch
Wohnhaus Knoblauch Oranienstraße 101/102, Berlin-Kreuzberg (1846-1847)

von David Blankenstein

Inv. Nr. F 8180
Carl Heinrich Eduard Knoblauch / Waldemar Titzenthaler
Wohnhaus Knoblauch Oranienstraße 101/102, Berlin-Kreuzberg
Blick auf das Wohnhaus
Foto: Foto auf Papier
31,6 x 37,6 cm (Texturscan)

Was wären Grundrisse, Fassaden und Schnitte von Gebäuden, wenn nicht immer wieder Zeichner mit Feder, Bleistift und Pinsel, oder Fotografen mit den ihnen eigenen Mitteln die ausgeführten Entwürfe im Kontext ihrer Umgebung und auch für den Laien auf den ersten Blick lesbar dargestellt hätten?

Inv. Nr. EK 215,003
Carl Heinrich Eduard Knoblauch
Wohnhaus Knoblauch Oranienstraße 101/102, Berlin-Kreuzberg
Vorderansicht
Handzeichnung: Tusche auf Papier
32,6 x 45 cm (Texturscan)

Die Aufnahmen, die ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts Fotografen wie Waldemar Titzenthaler auf ihren Streifzügen durch Berlin angefertigt haben, prägen unser Bild von der »schwarz-weißen« Stadt vergangener Tage. 1901 entstand Titzenthalers Aufnahme des Hauses Oranienstraße 101/102, das Carl Heinrich Eduard Knoblauch 1846 für sich selbst entworfen und in der jungen Luisenstadt im heutigen Kreuzberg hatte bauen lassen. Das Mehrfamilienhaus war in seiner Fassadengestaltung ein prototypischer Entwurf jener unzähligen Mietshäuser, die im späten 19. Jahrhundert dem urbanen Wohnen Berlins sein Gesicht gaben. Allerdings löste hier die Gestaltung der Wohnungen den von der Fassade formulierten Repräsentationsanspruch noch ein: Salons, Wohnräume und Dienstbotenflügel entfalteten eine Größe, die bis dahin nahezu ausschließlich dem adeligen Wohnen vorbehalten gewesen war. Das sollte sich wenig später ändern. Äußerlich kaum zu unterscheiden, mussten sich in den Berliner Mietskasernen der Kaiserzeit ungleich mehr Menschen unter widrigen hygienischen Verhältnissen auf dafür kaum geeigneten Grundrissen drängen. Die Fassaden dieser Spekulationsobjekte waren nur noch schöner Schein, der das soziale Elend der Großstadt mehr schlecht als recht verbergen konnte.

Inv. Nr. EK 215,012
Carl Heinrich Eduard Knoblauch
Wohnhaus Knoblauch Oranienstraße 101/102, Berlin-Kreuzberg
Grundrisse, Querschnitt
Handzeichnung: Tusche und Bleistift aquarelliert auf Papier
46,3 x 69,4 cm


Quellen / Literatur:

Vgl. Geist/Kürvers (1984), Charbonnier (2007) und Ausst. Kat. Titzenthaler (2008). Das Foto wurde 1988, die Zeichnung 1982 erworben.

Mehr dazu im Architekturmuseum:

https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=51&SID=1584634420491

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