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Was wäre wenn?

Ludwig Scheurer
Umgestaltung der Straße Unter den Linden, Berlin (1925)

von Dieter Nägelke

Inv. Nr. 7850
Ludwig Scheurer
Umgestaltung der Straße Unter den Linden, Berlin
Perspektivische Ansicht (Vogelschau) Blickpunkt A
Handzeichnung: Tusche, Kohle aquarelliert auf Karton
45,2 x 76,9 cm (Texturscan)

»Wie soll Berlins Hauptstraße Unter den Linden sich im Laufe des 20. Jahrhunderts gestalten?« titelte ebenso schlicht wie umfassend ein 1925 von der Zeitschrift »Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau« ausgeschriebener Wettbewerb – nicht eine Realisierung war das Ziel, sondern »die Erlangung geistvoller Anregungen, die an möglichst typischen Beispielen Hoffnung auf die Bewältigung der schwierigen Aufgaben gewähren« konnten.

Inv. Nr. 7854
Ludwig Scheurer
Umgestaltung der Straße Unter den Linden, Berlin
Querschnitt, Längsschnitt, Grundriss 1:500
Handzeichnung: Tusche, Bleistift, Kohle aquarelliert auf Karton
71,5 x 83,8 cm

Der Wettbewerb fand 33 Teilnehmer, deren Einsendungen zunächst im Verlag Wasmuth und dann im Architekturmuseum der Technischen Hochschule ausgestellt wurden, wo sich die meisten davon noch heute befinden. Ihr Spektrum reichte von einer konservativen Vereinheitlichung und Monumentalisierung der bestehenden Blockrandbebauung bis zu deren völliger Auflösung durch solitäre Hochhäuser.

Inv. Nr. 7852
Ludwig Scheurer
Umgestaltung der Straße Unter den Linden, Berlin
Perspektivische Straßenansicht, Blickpunkt D
Handzeichnung: Tusche, Kohle aquarelliert auf Karton
63,9 x 68,7 cm (Texturscan)

Eine in Idee und zeichnerischer Darstellung besonders spektakuläre Lösung legte der ansonsten unbekannt gebliebene Architekt Ludwig Scheurer vor. Zwischen zwei Kopfbahnhöfen sollten die Linden komplett aufgelöst werden, um in der Mitte einer zehnspurigen Straße und daneben zwischen ausgedehnten Gleisanlagen zwei weiteren Straßen Platz zu machen. Darüber plante er aufgesockelte, eng aneinander gereihte Hochhausscheiben, die vom Fußgängerverkehr umflossen werden: Ganz offensichtlich ließ Scheurer sich bei seiner utopischer kaum zu denkenden Vision von Le Corbusiers »Ville contemporaine« (1922) und Ludwig Hilberseimers »Hochhausstadt« (1924) inspirieren, deren ohnehin schon beängstigende Radikalität er freilich noch deutlich übertraf.


Quellen / Literatur:

Vgl. Hegemann (1927) und Nägelke (2010). Die Übernahme des Wettbewerbs erfolgte im Zuge seiner Ausstellung im Architekturmuseum 1925.

Mehr dazu im Architekturmuseum:

https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=51&SID=15845506757232

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