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Klare Kante

Kahlfeldt Architekten
Engelhardt Hof, Berlin (1993-1996)

von Julia Blöser

Inv. Nr. 48002
Kahlfeldt Architekten
Engelhardt Hof, Berlin
Perspektivische Ansicht
Handzeichnung: Tusche auf Transparent
122,5 x 125,2 cm

Geschichte weiterbauen: Die Fortentwicklung vorhandener Strukturen fordert gleichermaßen Sensibilität und Selbstbewusstsein des planenden Architekten. Für Petra (*1960) und Paul (*1956) Kahlfeldt ist das Bauen im Bestand ein stetiges Thema ihrer 1987 begonnenen gemeinsamen Arbeit.

Inv. Nr. 48306
Kahlfeldt Architekten / Monath & Menzel
Engelhardt Hof, Berlin
Gesamtmodell
Modell: Holz, Kunststoff

Inmitten des Charlottenburger Arbeiterquartiers der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit typischer Mischung aus Blockrandbebauung und Gewerbehöfen sollte ab 1993 auf dem Areal der ehemaligen Engelhardt-Brauerei der vorhandene Bestand – eine überformte Fabrikantenvilla und ein Lagerhaus – um zwei Verwaltungsbauten sowie ein Wohnhaus ergänzt werden. Dafür nehmen die Neubauten die bestehenden Blockkanten auf und werden mit den Altbauten durch Glas-Stahl-Brücken verbunden.

Inv. Nr. 48304
Kahlfeldt Architekten / Monath & Menzel
Engelhardt Hof, Berlin
Fassadenrelief Hofseite 1:50
Modell: Holz auf Karton im Rahmen
46,5 x 109,6 cm

Während sich um den Hof an der Danckelmannstraße Gewerbekomplexe gruppieren, ist der Wohnbau an der Christstraße durch einen begrünten Hof abgegrenzt. Die Ausbildung von Höfen sowie die Wahl gelbbraunen Ziegelmaterials wirken als Reminiszenz an die industriegeschichtliche Gewerbeform. Zugleich wird auf die rationale Architektur der klassischen Moderne verwiesen: Die quergelagerten Fenster sowie die eckumgreifende, vorgehängte Glasfassade des kubischen Kopfbaus erinnern an das 1911 von Walter Gropius (1883–1969) und Adolf Meyer (1881–1929) entworfene Fagus-Werk in Alfeld. Doch blendet dieses Bekenntnis zur funktionellen Architektur die Umgebung nicht aus. Weder werden starke Gegensätze aufgemacht noch wird bloß zitiert, sondern anhand klarer Formen, durchdachter Details und im Aufgreifen historischer Strukturen sowie im dezenten, doch eigenständigen Einfügen im städtischen Kontext weitergebaut.


Quellen / Literatur:

Vgl. Sonne (1997), Ausst. Kat. Kahlfeldt (2002) und Kahlfeldt (2006). Die Projektunterlagen und Modelle wurden dem Museum 2005 geschenkt.