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Muster mit Wert

Jürgen Mayer H.
Installation am San Francisco Museum of Modern Art (2004)

von Julia Schubert

Inv. Nr. 8224
Jürgen Mayer H.
Installation am San Francisco Museum of Modern Art
Zahlenmuster (Dataprotection Pattern)
Druck: Flockdruck auf Papier
64,2 x 30,3 cm

Nach dem Architekturstudium in Stuttgart, New York und Princeton gründete Jürgen Mayer H. 1996 sein Büro in Berlin und wurde vor allem durch Projekte an der Schnittstelle zwischen Architektur, Kommunikation und Neuen Technologien international bekannt. Zentrales Thema seiner konzeptuellen Raum-Arbeiten ist ein eher ungewöhnlicher Bildtypus: Das Datensicherungsmuster, wie es die Innenseite von Briefumschlägen auskleidet – bekannt etwa von Kontoauszügen.

Vermutlich ursprünglich ein drucktechnisches Abfallprodukt, werden die erratischen Gebilde aus Buchstaben und Zahlen seit 1913 eingesetzt, um private Informationen in der semitransparenten Hülle hinter visueller Überinformation unsichtbar werden zu lassen.

Auch im digitalen Datentransfer der Generation Facebook spielen Verschlüsselungscodes eine wesentliche Rolle. Für die multimediale Installation pre.text/vor.wand im San Francisco Museum of Modern Art (2004–2005) eignete sich Mayer H. die schriftbasierte Tarnstrategie in Gestalt einer papiernen, im Gegensatz zu einer konventionellen Tapete aber nicht verklebten Wandbekleidung an. Vergrößert und als digitaler Textildruck auf Goldpapier realisiert, erscheinen die Muster zwar ihrem Vorbild entfremdet, erfüllen dennoch aber ihre Funktion: Sie sind nicht Ornament, sondern maßstabsgetreue Schutzhülle. Doch was ist hier zu schützen? Wird in dieser Installation nur der White Cube verkleidet, wendet sich Mayer H. in anderen Projekten im öffentlichen Raum mit illusionistischen Strategien gegen den Kult der Transparenz, dessen Kehrseite zugleich der Verlust des Privaten ist.


Quellen / Literatur:

Vgl. Ausst. Kat. Metropol (2005) und Urbach/Steingräber (2009). Der Druck kam 2005 als Schenkung des Architekten in die Sammlung.