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Preußische Schlichtheit

David Gilly
Westpreußische Kriegs- und Domainen-Kammer (Kammerkonferenzhaus), Marienwerder (1798-1804)

von Astrid May

Inv. Nr. 1524
David Gilly
Westpreußische Kriegs- und Domainen-Kammer (Kammerkonferenzhaus), Marienwerder
Hauptansicht
Handzeichnung: Tusche aquarelliert auf Karton
26,9 x 42,1 cm (Texturscan)

David Gilly, in Schwedt an der Oder geboren, wirkte zunächst als Landbaumeister vor allem in der Neumark und in Pommern, bis er 1788 als Superrevisor des Preußischen Oberbaudepartements nach Berlin berufen wurde. Als Mitbegründer und Lehrer der Bauakademie wie auch als Publizist war er um Optimierung und Ökonomisierung der technisch-konstruktiven Grundlagen des Bauwesens bemüht und beeinflusste am Übergang zum Klassizismus auch mit seiner schlichten, tektonischen Gestaltungshaltung die Ausbildung der nachfolgenden Berliner Architektengeneration, zu der auch Heinrich Gentz, Karl Friedrich Schinkel und sein Sohn Friedrich Gilly (1772–1800) gehörten.

Inv. Nr. 19934
Wilhelm Chodowiecki
Portrait David Gilly
Portrait
Druck: Kupferstich auf Papier
17,8 x 10,3 cm

Im Rahmen seiner Tätigkeit für das Oberbaudepartement entstand 1798 der Entwurf eines Erweiterungsbaus für das Kammerkonferenzhaus im westpreußischen Marienwerder. Als Dreiflügelanlage bildete dieser in Verbindung mit dem benachbarten, 1762 vollendeten Fermor-Palais einen nahezu geschlossenen quadratischen Baukomplex. Die beiden Geschosse sind durch eine Erdgeschossrustika deutlich unterschieden. Den Mittelrisalit der ansonsten kaum gegliederten elfachsigen Hauptfassade akzentuiert Gilly durch eine Portalnische mit eingestellten Säulen, die oben durch ein breites Gesims abschließt. Die darüberliegende zurückgesetzte Wandzone betont ein dreiteiliges, von Renaissancevorbildern inspiriertes Fenstermotiv unter einem dekorlosen Giebelfeld. Anstelle einer über dem Eingang vorgesehenen Inschrift erhielt das Gesims bei der Bauausführung 1801 einen figürlichen Relieffries.


Quellen / Literatur:

Zu Gilly vgl. Lammert (1981), Führ/Teut (2008) und Teut (2008). Die Zeichnung ist Alt­bestand, das Porträt wurde 1998 erworben.

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